Mehr als nur eine Speise

09-11-2018 10:00:02

Mehr als nur eine Speise

das Jiaozi-Restaurant von Wu Meizhu

Foto von CGTN

Ein normales kleines Jiaozi-Restaurant, so wie man es kennt. Doch etwas ist hier anders. Dort schlüpfen die Besucher nicht nur in die Rolle des Gastes, sondern auch in die Rolle des Kochs. Am Ende bestimmen sie selbst, wie viel sie zahlen möchten. Ein solches Geschäft klingt ein bisschen unglaublich, doch Wu Meizhu hat es in die Realität umgesetzt und darin ihren idealen Lebensstil gefunden.

„In meiner Kindheit waren meine Eltern selten da. Sie waren Wanderarbeiter und ich konnte sie nur während meiner Sommer- und Winterferien sehen. Darum haben mich meine Freunde viel unterstützt aber auch fremde Menschen, die ich gar nicht kannte. Ich schätze ihre Hilfen sehr. "

Wu verbrachte ihre Zeit größtenteils mit ihren Großeltern in ihrer Heimat auf dem Lande. Dann verließ sie ihre Heimat für ein Studium und fand danach einen Job in der Stadt.

Als die Großmutter von Wu im Jahr 2003 verstorben ist, schaffte es Wu leider nicht rechtzeitig zurückzukehren und ihre Großmutter ein letztes Mal zu sehen. Das hat Wu geprägt. Seitdem fällt es ihr schwer von Nahestehenden Abschied zu nehmen. In ihr kamen Zweifel auf, ob es wirklich Wert sei, das ganze Leben lang für Arbeit und Gehalt zu rackern, auf Kosten dessen, was wirklich wichtig im Leben ist?

Sie begann mit Yoga, wurde Vegetarierin - sie suchte eine Verbindung zwischen dem Menschsein und der Welt. Sie gab ihre Stelle auf und wurde eine zertifizierte Yoga-Lehrerin, dies erlaubte ihr zu reisen, während sie Yoga-Unterricht gab. In ihrer Freizeit beschäftigte sie sich freiwillig mit humanitären Projekten in kriegsgebeutelten Regionen und Gebieten in der Welt und half den armen Kindern vor Ort.

Im Verlauf der Jahre hat Wu viele Todesfälle und Hungersnöte miterlebt. Sie war immer davon gerührt, wenn Flüchtlinge, selbst unter den widrigsten Bedingungen, freiwillig versuchten, sich für die Unterstützung zu bedanken und sei es bloß mit einer Blume oder einer kleinen Bastelei.

Aus diesen Erfahrungen überlegte sich Wu, wie sie Ihre Inspiration teilen kann und die Güte, die Sie von anderen Menschen empfing, erwidern kann.

„Um einen großen Tisch herum sitzen Fremde zusammen, wie in einer großen Familie. Sie bereiten gemeinsam Jiaozi zu und essen die Teigtaschen im Anschluss. Das alles in einer fröhlichen Atmosphäre. Ich möchte damit Menschen näher zusammenbringen. Mit Betreib dieses Restaurants habe ich das Gefühl, dass die Verbindungen zu meinen Eltern immer enger wird."

2013 öffnete Wu Meizhu ein kleines Restaurant mit nur einem Tisch, in einer Gasse, in der ostchinesischen Stadt Xiamen. Das kleine Restaurant ist mit Holzmöbeln ausgestattet und wird warm ausgeleuchtet. Auf einer Wandtafel stehen die 24 Jahresabschnitte nach dem chinesischen Mondkalender. Man fühlt sich dort wie in einem Café. Die Atmosphäre ist geeignet für ein entspanntes Treffen mit Freunden.

Täglich werden alle Zutaten frisch auf dem Markt eingekauft. Der Teig wird mit Gemüsesaft gefärbt. Deshalb sehen die Jiaozi im Wus Restaurant bunt und ansprechender aus, und natürlich sind sie auch geschmackvoller.

Hin und wieder finden in dem Restaurant gemeinschaftliche Veranstaltungen statt. Auf denen werden alle Kunden ermutigt, gemeinsam die Teigtaschen vorzubereiten und gemeinsam zu verspeisen. Solch eine Atmosphäre gefällt Wu sehr.

„Die Menschen kommunizieren immer weniger miteinander in der modernen Gesellschaft. Schaut man sich auf der Straße um, dann findet man nur selten ein Lächeln. Die Passanten sehen einsam aus. Deshalb will ich den Leuten eine Plattform bieten, um direkte zwischenmenschliche Beziehungen wieder aufzunehmen. Was man braucht, ist ein großer Esstisch, wo sich Fremde versammeln können. Beim Essen kommen die Gäste dann zusammen.

In einer Gesellschaft, so meint Wu, müsse man sich gegenseitig helfen und kümmern. In ihrem Restaurant, das einer Miniatur der Gesellschaft ähnelt, ereignen sich jeden Tag viele schöne Sachen, die jenseits der Mahlzeiten stattfinden. Das beglückt sie sehr.

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