Die Milch macht's? – Chinas gespaltenes Verhältnis zur Milch

10-10-2017 09:17:09

Die Milch macht's? – Chinas gespaltenes Verhältnis zur Milch

Milch macht müde Männer munter? Das ist eine Vorstellung aus Europa und Nordamerika. In China ist man jahrtausendelang auch ohne Milch gut ausgekommen. Milch und Milchprodukte spielen in der traditionellen chinesischen Küche kaum eine Rolle. Warum auch. Schließlich verträgt der Großteil der Chinesen überhaupt keine Milch. Sind sie dem Säuglingsalter entwachsen, können Schätzungen zufolge bis zu 94 Prozent der Bevölkerung den Milchzucker nicht mehr verwerten. Die Folgen bei übermäßigem Milchkonsum sind Durchfall, Blähungen, Magenkrämpfe.

Doch seit einigen Jahrzehnten wächst mit der Öffnung gen Westen auch die Neugier auf das weiße Getränk, das man dort pur, weiterverarbeitet als Joghurt oder Käse, oder auch in Form von Riegeln und Schnitten ständig zu sich nimmt. Man schielt auf die hochgewachsenen deutschen Fußballspieler und properen amerikanischen Kinder aus der Werbung - die Milch macht's, ist doch klar!

In den 1990ern setzte in China ein regelrechter Milchboom ein, der auch von der Politik gesteuert wird: So sagte der ehemalige Premierminister Wen Jiabao, er habe einen Traum: Er träume davon, dass jeder Chinese, besonders aber jedes Kind, jeden Tag einen halben Liter Milch zu trinken bekomme. Der Grund sind die vermeintlich guten Auswirkungen auf das Wachstum der Kinder und die generelle Gesundheit. Und was war mit der asiatischen Laktoseintoleranz? Die versuchen die Chinesen auszutricksen, indem sie nicht zu viel Milch auf einmal trinken, auf den Gewöhnungs-Effekt setzen und bei der Herstellung von Milchprodukten die Laktose weitgehend entfernen.

Dank großangelegter Werbekampagnen trinken die Chinesen, vor allem die wohlhabenderen in den Großstädten, inzwischen pro Kopf und Jahr 26 Liter Milch, Tendenz steigend. Im Vergleich ist das aber recht wenig. In Deutschland sind es knapp 90 Liter, in Nordamerika sogar 209 Liter pro Person.

Andere Milchprodukte haben es schwerer, die Chinesen auf den Geschmack zu bringen. Zwar essen diese gerne mal Schmelzkäse auf Pizza oder im Cheeseburger, bei der Vorstellung von Camembert, altem Gouda oder Fetakäse verziehen aber viele immer noch die Nase. Und selbst in der Hauptstadt findet man nur in gut sortierten Supermärkten den in Deutschland typischen Naturjoghurt. Die Chinesen bevorzugen Joghurt und Joghurtdrinks mit viel Zucker und fruchtigem Geschmack. Ob das so gut für die Gesundheit ist, gar mit dem rasant wachsenden Übergewicht der chinesischen Kinder in Verbindung steht, ist eine andere Frage.

Text: Johanna Wolff

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