Wirtschaftsexpertin Dr. Schmitt: „Made in Germany genießt einen exzellenten Ruf in China“

16-05-2018 16:40:15

Mit Fragen nach dem aktuellen Wert von Made in Germany in China und der Investitionsbereitschaft von Deutschen wenden wir uns an das Beijinger Auslandsbüro der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Germany Trade and Invest, GTAI) im Landmark Tower.

Germany Trade and Invest ist eine 100-prozentige Einrichtung des Bundes, die dem Bundeswirtschaftsministerium untersteht und 50 Auslandbüros unterhält. Dr. Stefanie Schmitt vertritt die Gesellschaft in Beijing.

Sie erklärt die Aufgaben der GTAI: „Wir kümmern uns zum einen um Auslandsinvestoren, die in Deutschland aktiv werden wollen. Das ist unser Invest-Teil. Und unser Trade-Teil, zu dem ich gehöre, kümmert sich um die Darstellung von Außenwirtschaftsinformationen, zum Beispiel zur makroökonomischen Lage eines Landes, zu Branchen und zur Geschäftspraxis.“

Aufgeschlüsselte Informationen für Unternehmer

Die Berichte der Auslandsmitarbeiter werden nach Bonn geschickt, dort aufbereitet und nach Länder, Branchen und Themen sortiert in eine Datenbank gestellt. Jeder Interessent kann die Berichte nutzen, meist unentgeltlich.

„Wenn er dann nach so einem Bericht den Eindruck hat, China interessiert ihn ganz besonders und da interessiert ihn jetzt ganz besonders der Milchsektor - dann kann er vielleicht auch noch mal in Bonn anrufen, aber nicht direkt bei mir“, betont Dr. Schmitt, die 1987 das erste Mal in Beijing war. Hin und wieder gebe es Nachfragen, zum Beispiel zum neuen Lebensmittelzertifikat, das ab 2019 in Kraft treten soll.

Die Aufgaben der GTAI beschränken sich allerdings auf die Informationsbereitstellung: „Wenn es dann konkreter wird, wenn es wirklich um eine Investition geht oder um die Suche nach einem Handelspartner, dann ist die AHK [Auslandhandelskammer] der richtige Ansprechpartner und nicht wir.“ 

Dr. Stefanie Schmitt zufolge sind die China-Informationen in Deutschland sehr gefragt: „Das sieht man schon allein daran, dass wir hier - und das ist eines der ganz wenigen Länder auf der Welt - zwei Büros haben, nämlich eines hier in Peking, eines in Shanghai und ein weiteres in Hongkong, was aber ein bisschen einen Sonderstatus hat.“

„Wachsender chinesischer Wettbewerb“

Die Herausforderungen für deutsche Unternehmen in China änderten sich fortwährend, „wobei über die Jahrzehnte hinweg das Personalproblem tatsächlich das wesentlichste Hindernis ist“, erklärt die Expertin. Die Personalkosten stiegen und es sei schwieriger, Fachpersonal zu rekrutieren. „Dazu gehört, dass der chinesische Wettbewerb immer stärker wird, also dass der technologische Abstand zwischen deutschen Unternehmen und chinesischen Unternehmen kleiner wird“, sagt die Standortleiterin. Früher habe die Sorge um gefälschte Produkte ganz vorne gestanden. „Das hat sich verbessert, würde ich sagen.“

Reger Austausch bei Innovationstechnologien

Scheint eine Zusammenarbeit von Deutschland 4.0 und Made in China 2025 möglich?  „Ich würde sagen ‚Yao kan ' - es hängt davon ab“, antwortet Dr. Stefanie Schmitt. „Es gibt ein sehr großes Interesse der chinesischen Seite, bei China 2025 mit Deutschland und Deutschland 4.0 zusammenzuarbeiten. Es gibt einen regen Austausch.“ Allerdings beabsichtige Made in China 2025, in China in den Hightech-Branchen nationale Global Player aufzubauen. „Und die werden es den deutschen Unternehmen, die in den gleichen Branchen aktiv sind, natürlich nicht leichter machen in der Zukunft.“

Unruhe durch Wirtschaftsstreit

Auch der amerikanisch-chinesische Wirtschaftsstreit ist ein Thema unter Unternehmern. Dr. Schmitt sagt, dass sie aber noch nicht sagen könne, welche Auswirkungen der Streit auf deutsche Unternehmen, den Handel zwischen Deutschland und China und China insgesamt habe. Sie betont: „Es bringt Unruhe und keiner sieht es gerne. Aber wir müssen jetzt wirklich abwarten, was konkret passiert.“

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