Chinesen bereisen die Welt – ohne Bargeld

11-10-2018 15:47:19

In jedem Jahr gibt es zwei Ferienwochen in China. Eine zum Nationalfeiertag am 1. Oktober und eine zum Frühlingsfest im Januar oder Februar, das hängt vom Mondkalender ab. Da das Frühlingsfest ein Familienfest ist, zu dem man normalerweise nach Hause reist, ist die Ferienwoche Anfang Oktober die einzige Möglichkeit für viele Chinesen, im In- oder Ausland zu verreisen.

Vom 1. bis 7. Oktober dieses Jahres haben die Sehenswürdigkeiten in China mehr als 720 Millionen Touristen verzeichnet. Die entsprechenden Einnahmen lagen bei knapp 600 Milliarden Yuan RMB. Im Vergleich zur ersten Ferienwoche vor 19 Jahren haben sich die beiden Zahlen jeweils verdreißigfacht und vervierzigfacht.

Was sich bei Inlandsreisen verändert hat, ist die steigende Popularität von Museen und Kulturdenkmälern. Für Frau Peng ist das Highlight ihrer Hubei-Reise die alte Chu-Kultur.

„Während der Ferienwoche habe ich die beiden Städte Wuhan und Jinzhou in der Provinz Hubei besucht. Als die antiken Glocken läuteten, erinnerte mich das an die glorreiche Zeit des Chu-Reichs vor tausend Jahren. In dem berühmten Huanghelou-Pavillion war es zwar voller Menschen. Aber als ich auf dem Gipfel den breiten und strömenden Yangtse-Fluss sah, musste ich sofort an die Gedichte von Li Bai und Cui Hao denken. Es war einzigartig.“

Chinesen bereisen die Welt – ohne Bargeld

Ein weiterer neuer Trend der traditionell von Reisegruppen dominierten chinesischen Tourismusindustrie ist die steigende Beliebtheit von individualisierten Reisen. Die Chinesen legen immer größeren Wert auf die Qualität der Reise. Reisebüros bieten nun speziell zugeschnittene Touren an, die verschiedene Ziele, Unterkünfte und Reiserouten beinhalten, um unterschiedliche Bedürfnisse zu erfüllen.

Immer mehr Chinesen reisen komplett auf eigene Faust, mit der Familie oder mit Freunden. Das heißt, sie nehmen an keiner Reisegruppe teil, sondern besorgen sich selbst Visum, Flugticket und Unterkunft und planen selbst die Reiseroute. Während der Ferien sind drei Millionen Chinesen ins Ausland gereist. Etwa die Hälfte von ihnen reiste individuell. Die beliebtesten fünf Ziele waren Thailand, Japan, Hongkong, Vietnam und Singapur. Auf Grund der vergangenen Fußball-WM war auch Russland ein beliebtes Reiseziel.

Zusammen mit den chinesischen Touristen verbreiten sich auch die chinesischen bargeldlosen Zahlungsmethoden im Ausland. Im britischen Outlet Bicester Village hat sich die Zahl der mobilen Zahlungen versiebzigfacht. Zang Xiaocheng ist für den Auslandsmarkt von Alipay tätig. Sie weiß, was sich in den vergangenen Jahren im Markt verändert hat.

„Früher wurde Alipay meistens von jungen Konsumenten im Ausland benutzt, also diejenigen, die in den 1980er und 1990er Jahren geboren wurden. Nun werden unsere Kunden immer älter. Ältere Touristen, die um die 60 Jahre alt sind, zahlen immer häufiger bargeldlos. Die Zahl hat sich etwa verdoppelt. Darüber hinaus ist die Kaufkraft der Einwohner aus mittleren und kleinen Städten drastisch gestiegen. So haben zum Beispiel Touristen aus Fuzhou im Durchschnitt das meiste Geld ausgegeben, mehr als Touristen aus Beijing, Shanghai oder Guangzhou.“

Chinesen bereisen die Welt – ohne Bargeld

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