Wenzhou: Vorreiter der Reform und Öffnung Chinas

09-11-2018 19:10:01

Wegen finanzieller Not ihrer Familie entschied sich die 19-jährige Wenzhou'erin Zhang Huamei, 1979, eigene Geschäfte zu tätigen. Ganz unabsichtlich erhielt sie Chinas erste Geschäftslizenz für Privatgeschäfte.

„Ich war total begeistert. Denn mit der Lizenz konnte ich dann besser Handel betreiben."

Zuvor waren Kleingeschäfte in China verboten, denn damals wurde das Kollektiveigentum von den Chinesen als sozialistisches Kennzeichen angesehen. Trotzdem haben einige wagemutige Wenzhou'er versucht, Verkaufsstände für Kleinartikel vor der eigenen Tür aufzustellen. Zu den Kleinhändlern gehörte auch Zhang Huamei. Jeden Tag kaufte sie am Morgen Kleinartikel wie Knöpfe und Schlüsselanhänger aus Untergrundmärkten und verkaufte sie heimlich vor der eigenen Tür weiter.

Um illegalen Handel einzudämmen, wurde in Wenzhou sogar ein spezielles Amt errichtet.

Später wurde die Privatwirtschaft zwar erlaubt, im Vergleich zu Arbeitern und Angestellten in Staatsunternehmen wurden Gewerbetreiber aber als kein ordentlicher Berufsstand angesehen. Zhang Huamei erläutert:

„Angehörige der Staatsbetriebe waren beneidenswert. Ich war dagegen eine Privathändlerin und wurde in vielerlei Hinsicht benachteiligt."

Mit der Lizenz und einem Startkapital von 150 Yuan hat Zhang Huamei ihre Geschäftskarriere begonnen. Der Geschäftsumfang hat sich ständig erweitert. Heutzutage ist Zhang Huamei Besitzerin einer lokalen GmbH für Bekleidungszubehör.

In Wenzhou gibt es viele derartige Privatunternehmen. Statistiken zufolge gibt es in Wenzhou 223.000 registrierte Betriebe. Jeder Zehnte Wenzhou'er ist Geschäftsmann oder Unternehmer. Dabei spielen Privatunternehmen eine dominierende Rolle für die lokale Wirtschaft. Sie machen 99.5 Prozent der gesamten Unternehmen Wenzhous aus. Mit über 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 91.5 Prozent des Mehrwertes für die industrielle Produktion und 82,4 Prozent der Steuereinnahme stellen Privatunternehmen einen Pfeiler der Wirtschaft Wenzhous dar.

Zhu Xianlang, ehemaliger Verantwortliche der Stadtverwaltung führt das Aufblühen der Privatwirtschaft auf die regionalen Gegebenheiten zurück:„Vor der Reform und Öffnung war Wenzhou eine Stadt mit schlechten Entwicklungsbedingungen: Ressourcenmangel, rückständige Infrastruktur und ein großes Beschäftigungsproblem wegen des großen Widerspruchs zwischen Bevölkerungsreichtum und Bodenknappheit. Der wichtigste Weg zur Beseitigung der Unausgewogenheit der Entwicklung von Stadt und Land ist die Entwicklung der Privatwirtschaft."

Der Enthusiasmus und die Kreativität der Wenzhou'er wurden durch das Streben nach Gewinn erweckt. Jeder Wenzhou'er wollte Boss werden, tausende und abertausende Haushalte suchten intensiv nach Geschäftschancen für das eigene Unternehmen. So sah die Situation in den zurückliegenden Jahren aus. Auf diese Weise haben die Wenzhou'er ihren eigenen Entwicklungsweg gefunden, der als „Wenzhou'er Modell" bekannt ist. Dazu Wirtschaftswissenschaftler Ma Jinlong: „Zu Beginn der Reform galten Privatunternehmen als ein wichtiger Bestandteil des Marktes. Wenzhou war landesweit führend in Systemreformen wie die Privatisierung und die Einführung der Marktwirtschaft."

Wenzhou, einst eine Stadt mit dichter Bevölkerung, Ressourcenknappheit und ungünstigem Verkehr, hat sich in den vergangenen 40 Jahren zu einer wohlhabenden Küstenstadt entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt ist von 1,3 Milliarden Yuan im Jahr 1978 auf 545,3 Milliarden Yuan 2017 gestiegen. Das durchschnittliche Jahreswachstum liegt bei 13,3 Prozent.


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