„Oase von Günsa": Landwirtschaft im tibetischen Ngari

11-02-2019 15:52:30

Ngari in Tibet ist eine Region mit äußerst geringem Niederschlag. Die Trockenheit der Wüste Gobi prägt die Landschaften rund um den Kreis Gar. Eine Ausnahme bildet das Dorf Gar Xincun in der Gemeinde Günsa, das dank des Schmelzwassers aus den Hochgebirgen und zahlreicher Bemühungen der chinesischen Regierung über fruchtbares Ackerland verfügt. Der kleine Ort erstrahlt in farbiger Blütenpracht.


Schon aus weiter Ferne leuchtet das Dorf Gar Xincun in der Gemeinde Günsa im strahlenden Violett der Luzerne. Dorfvorstand Jingdrol Tashi berichtet, man habe vor zehn Jahren mit dem Anbau der Luzerne begonnen. Diese Pflanzenart aus der Gattung des Schneckenklees sei nicht nur wunderschön, sondern auch als Nutzpflanze äußerst gewinnbringend.


„Früher befand sich hier karges Ödland. Wie Sie sehen, sprießen heute die Pflanzen nur so um die Wette. Das haben wir vor allem Direktor Han zu verdanken, der den Dorfbewohnern zeigte, wie man Luzerne anbaut. Das war mit einigen Mühen verbunden. Die tibetischen Bauern sprachen nicht die chinesische Hochsprache, so dass selbst nach dem zweiten Mal viele es nicht verstanden. Doch half Herr Han ihnen immer und immer wieder wie ein geduldiger Vater."


Vor zehn Jahren entsandte die chinesische Zentralregierung den heutigen Direktor des Amts für Forstwirtschaft Han Junwen als Landwirtschaftsexperten aus der Provinz Shaanxi in den Kreis Gar. Als Direktor Han bei seiner Ankunft die trockenen Wüstenlandschaften in Tibet sah, hatte er sich nicht ausmalen können, dass Gar einmal in der heutigen Blütenpracht erstrahlen würde.


„Meine Anfangszeit in Günsa war sehr hart. Weder meine Familie noch andere chinesische Kader lebten hier. Zudem verstand ich die tibetische Sprache nicht, was die Kommunikation sehr erschwerte. Damals erließ die Regierung der Gemeinde den Auftrag, Gerste auf einer Fläche von über zweieinhalb Hektaren anzubauen. Abgesehen davon befand sich hier reines Ödland."

Angesichts dieser Ausgangslage zog Han Junwen in Erwägung, in die Heimat zurückzukehren. Doch fasste er neuen Mut und konnte bis heute vieles erreichen.


„Wenn man schon einmal so weit gekommen war, dann durfte man nicht einfach auf halber Strecke aufgeben. Also wurde mir eine Fläche von über drei Hektaren zugewiesen, das ich bebauen sollte. Zunächst galt es jedoch, das Land von Müll zu bereinigen, es zu ebnen und zu pflügen."


Im Anschluss musste Han Junwen herausfinden, für welche Pflanzensorten sich das Land eignete. Insgesamt 26 Versuche führte er mit verschiedenen Nutzpflanzen durch, bis er zu dem Ergebnis gelangte, dass die Luzerne die beste Wahl sein würde. Diese Form des Schneckenklees war besonders widerstandsfähig und konnte sich den trockenen Bedingungen des tibetischen Hochlandes gut anpassen. Die Versuche von Direktor Han stießen bei der lokalen Bevölkerung jedoch auf Spott und Zweifel:

„Die Anwohner erzählten, sie hätten sich über viele Jahrzehnte hinweg vergeblich bemüht eine Pflanzensorte zu finden, die auf diesem Ödland wachsen würde. Wir sollten das Geld nicht verschwenden und lieber früher als später aufgeben, so ihr Rat."

Han Junwens Beharren wurde letztendlich doch belohnt. Nach dem zweiten Jahr des Anbaus konnte in der Gemeinde Günsa die Anbaufläche der Luzerne auf 20 Hektare erweitert werden. Dies überzeugte auch die größten Zweifler in der Gemeinde Günsa, die heute Direktor Han sehr dankbar sind.


„Nachdem die Erträge bis 2008 weiter gesteigert werden konnten, startete die Regierung ein Projekt zur Viehzucht. Die Luzerne sollte als Futter für Kühe dienen. Dadurch erhöhten sich dann die Einkommen der Bauern."

Laut Jingdrol Tashi lag das durchschnittliche Einkommen pro Kopf im letzten Jahr bereits bei über 8000 Yuan RMB. Heute umfasst die Viehzucht im Dorf Gar Xincun über 300 Kühe. Ihr Futtergras, die Luzerne, wächst auf einer Fläche von über 600 Hektaren. Unter der Leitung von Direktor Han Junwen wurde in den letzten Jahren auch Sanddorn angebaut, der den sandigen Boden aufbessert und für Windschutz sorgt. So ist die Gemeinde heute auch als „Oase von Günsa" bekannt.


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